In unserem Leben bedarf es eines rückhaltlosen Gottvertrauens, indem man nur von Gott allein alles Gute, Beistand und Sieg erhofft und erwartet. Gleichwie wir von uns selbst, da wir nichts sind, nur Niederlagen zu fürchten haben und deshalb uns ganz und gar mißtrauen müssen, so dürfen vor dagegen von Gott zuversichtlich jeden Sieg erhoffen, sofern wir, um seines Beistandes sicher zu sein, unser Herz mit einem lebendigen Vertrauen auf auf ihn stärken.
"Nicht als ob wir fähig wären, aus eigener Kraft etwas
auszudenken" (2 Kor 3,5) Können wir nicht einmal ohne Gott und ohne seinen Beistand
einen guten Gedanken fassen, wie sollen wir dann alleine wider so übermächtige
Feinde kämpfen.
Dieses Gottvertrauen können wir uns im Wesentlichen auf vier Punkte zu eigen machen:
ERSTENS müssen wir Gott inständig darum bitten.
ZWEITENS sollen wir Gottes Allmacht, unendliche Weisheit und Güte mit den Augen des Glaubens versuchen zu betrachten. Gott ist nichts unmöglich oder zu schwer. Und da seine Güte kein Maß kennt, so ist er mit unaussprechlichem Verlangen stets bereit, uns zu jeder Stunde und in jedem Augenblick mit allem zu beschenken, dessen wir zum Kampfe und zu einem völligen Siege über uns selbst bedürfen, wenn wir uns nur vertrauensvoll in seine Arme flüchten. Wie wäre es möglich, dass unser göttlicher Hirt, der dem verirrten Schäflein dreiunddreißig Jahre nachging, seine Stimme heißer rief und der rauen und dornenvollen Wege nicht achtete, so dass er sein ganzes Blut vergoß und sein Leben ließ, dasselbe Schäflein verlassen könnte, das ihm nun durch Beobachtung seiner Gebote folgen will oder wenigstens ein, wenn auch bisweilen schwaches Verlangen danach trägt, und da inständig bittet und fleht, er möge das Auge seines Erbarmens nicht von ihm abwenden?
Wäre es möglich, dass er es jetzt nicht mehr erhören wollte, dass der gute Hirt es nicht auf seine Schultern nähme und sich nicht mit seinen Nachbarn, den Heiligen und Engeln im Himmel, erfreute?
Wenn unser Herr kein Mittel, keine Sorge und Mühe scheute, um die Drachme des Evangeliums, den blinden und stummen Sünder, auffinden zu knien, ist es da denkbar, dass er ihn jetzt nicht im Stiche ließe, da derselbe gleich einem Schäflein nach seinem Hirten ruft und klagt?
Wer sollte je glauben, dass Gott, der mit Sehnsucht ständig an des Menschen Herz pocht, um bei ihm Einkehr und Mahl zu halten und ihm seine Gnade zu schenken, sich nun taub stellte und sich weigerte einzukehren, wo das Herz einladend offensten?
DRITTENS glaube ich, erlangt man Gottvertrauen, wenn man sich die Wahrheit der Hl. Schrift ins Gedächtnis ruft, die an so vielen Stellen uns ganz klar und deutlich beweist, dass niemand zuschanden wird, der auf Gott vertraut.
VIERTENS erlangt man Misstrauen gegen sich selbst und Gottvertrauen durch folgendes:
Wenn man vor irgendeinem Unternehmen bzw. vor einem Kampfe oder einer Gelegenheit zur Selbstüberwindung steht, so solle man sich erinnern, bevor man sich entschließt und handelt, seiner Schwäche und sich misstrauisch gegen sich selbst, an Gottes Macht, Weisheit und Güte wenden.
Erst dann solle man vertrauensvoll den Entschluss fassen, unerschrocken zu handeln und zu kämpfen.
Wenn man sich aber nicht an dieses Vorgehen hält, so mag es einem wohl vorkommen, als hätte man alles im Vertrauen auf Gott ausgeführt - dennoch befindet man sich in einem großen Irrtum. Das Selbstvertrauen ist nämlich natürlich und menschlich und schleicht sich allzu gerne in die Handlungen ein, so dass es im Vertrauen, das wir auf Gott setzen, heimlicherweise beständig weiterlebt.
Um dieser Selbstüberhebung soviel als möglich zu entgehen und einerseits mit Misstrauen gegen sich selbst und andererseits mit Vertrauen auf Gott zu handeln, ist es vorteilhaft, die Betrachtung seiner Schwäche der Betrachtung der Allmacht Gottes und beide Erwägungen dann zugleich den Handlungen vorausgehen.
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